Doch wer sich heute für eine Wärmepumpe entscheidet oder bereits eine besitzt, sollte sich zunehmend mit den EU-Vorgaben auseinandersetzen, insbesondere mit der EU-F-Gase-Verordnung. Diese bringt neue Regeln für fluorierte Kältemittel mit sich und sorgt schon jetzt für Bewegung am Wärmepumpenmarkt. Dadurch rückt neben der Effizienz zunehmend auch das eingesetzte Kältemittel in den Fokus und damit auch die Frage nach der langfristigen Zukunftssicherheit der Technologie. Aber wie können sich Bauherren am besten darauf vorbereiten und worauf sollten sie bei der Wahl achten? Antworten darauf gibt Benjamin Dawo, Experte für energieeffizientes Bauen und Geschäftsführer beim Massivhausanbieter Town & Country Haus.
1. Kältemittelwahl und EU-Regeln berücksichtigen
Bis Ende 2027 wird bei Wärmepumpen nicht mehr nur auf die Heizleistung geschau, auch das eingesetzte Kältemittel rückt immer stärker in den Fokus. Grund dafür ist die EU-F-Gase-Verordnung, die den Einsatz klimaschädlicher Kältemittel Schritt für Schritt einschränkt. Besonders wichtig wird dabei der sogenannte GWP-Wert („Global Warming Potential“), also die Frage, wie stark ein Kältemittel zur Erderwärmung beiträgt. Während fluorierte Kältemittel wie R32 oder R410A zunehmend unter Druck geraten, gelten Alternativen wie Propan (R290) oder CO₂ (R744) schon heute als deutlich zukunftssicherer.
Ab 2027 ziehen die EU-Vorgaben zusätzlich weiter an: Neue Grenzwerte legen fest, welche Wärmepumpen mit bestimmten GWP-Werten überhaupt noch auf den Markt gebracht werden dürfen. Für Hersteller bedeutet das einen klaren Kurswechsel hin zu klimafreundlicheren Kältemitteln und für Bauherren eine deutlich veränderte Produktauswahl.
Unser Expertentipp: Wer heute eine Wärmepumpe kauft, sollte nicht nur auf die Leistung achten, sondern auch einen genauen Blick auf das verwendete Kältemittel werfen. Wichtig ist dabei vor allem, ob das System auch die künftigen EU-Grenzwerte erfüllt. Entsprechende Informationen finden sich im technischen Datenblatt, direkt beim Hersteller oder Fachbetrieb sowie über das Umweltbundesamt oder den Bundesverband Wärmepumpe. Als Faustregel lässt sich sagen: Propan (R290) gilt aktuell als besonders zukunftssicher, R32 eher als Übergangslösung und R410A zunehmend als Auslaufmodell.
2. Monoblock oder Split? Die Unterschiede werden wichtiger
Mit den neuen EU-Vorgaben rückt auch die Frage stärker in den Fokus, welches Wärmepumpensystem überhaupt verbaut wird. Denn Monoblock- und Split-Geräte unterscheiden sich nicht nur technisch, sondern oft auch beim eingesetzten Kältemittel. Bei Monoblock-Wärmepumpen sitzt der komplette Kältekreislauf in der Außeneinheit. Das macht die Installation meist einfacher, da keine Kältemittelleitungen ins Haus geführt werden müssen. Außerdem setzen viele Hersteller hier bereits auf natürliche Kältemittel wie R290 (Propan), die als deutlich zukunftssicherer gelten.
Split-Systeme bestehen dagegen aus einer Innen- und Außeneinheit, die über Kältemittelleitungen miteinander verbunden sind. Sie bieten zwar mehr Flexibilität bei der Aufstellung, arbeiten aber häufig noch mit fluorierten Kältemitteln, die von den kommenden EU-Regeln stärker betroffen sein könnten.
Unser Expertentipp: Bauherren sollten nicht nur auf Preis oder Leistung achten, sondern auch prüfen, welches Kältemittel im jeweiligen System steckt und wie gut die Anlage auf kommende EU-Vorgaben vorbereitet ist. Gerade Monoblock-Wärmepumpen gelten durch den häufigeren Einsatz von R290 aktuell als besonders zukunftssicher.
3. Wartung und Service werden zum entscheidenden Faktor
Bei F-Gas-Systemen steigen die Anforderungen an Wartung, Dokumentation und die Qualifikation der Fachbetriebe deutlich. Durch die schrittweise Verknappung bestimmter Kältemittel können zudem die Servicekosten steigen. Die EU-F-Gase-Verordnung verschärft außerdem Vorgaben für Dichtheitsprüfungen, Nachweispflichten und den Umgang mit Kältemitteln. Gleichzeitig werden auch die Anforderungen an zertifizierte Fachbetriebe erweitert, selbst bei klimafreundlicheren Alternativen.
In der Folge können Wartung und Service bei bestimmten Wärmepumpensystemen stärker reguliert und langfristig aufwendiger werden. Zudem besteht das Risiko, dass einzelne Kältemittel für Reparaturen oder Nachfüllungen künftig schwerer verfügbar sind.
Unser Expertentipp: Bauherren sollten schon vor dem Kauf prüfen, ob für das gewählte System regelmäßige Dichtheitsprüfungen vorgeschrieben sind, welche Fachbetriebe die Anlage warten dürfen und wie gut Ersatzteile sowie Kältemittel langfristig verfügbar bleiben.
4. Natürliche Kältemittel werden zum Standard – Förderung strategisch nutzen
Der Markt entwickelt sich klar in Richtung natürlicher Kältemittel. Gleichzeitig wird auch die staatliche Förderung zunehmend stärker an der Klimawirkung der eingesetzten Kältemittel ausgerichtet, sodass klimafreundliche Lösungen bevorzugt werden. Bauherren können beispielsweise über die KfW-Förderung für effiziente Gebäude (BEG), abhängig von der individuellen Situation, mehrere tausend Euro Zuschuss erhalten. Zusätzlich gibt es einen Effizienzbonus von fünf Prozent, wenn Wärmepumpen mit klimafreundlichen Kältemitteln wie R290 eingesetzt werden. Insgesamt orientieren sich sowohl Technikentwicklung als auch Förderprogramme immer stärker an Low-GWP-Kältemitteln und langfristig nachhaltigen Systemen.
Unser Expertentipp: Wer eine Wärmepumpe plant, sollte Fördermöglichkeiten frühzeitig prüfen und gezielt nach Anlagen mit klimafreundlichen Kältemitteln fragen. Systeme mit R290 erfüllen nicht nur häufiger kommende EU-Vorgaben, sondern können sich durch bessere Förderbedingungen auch finanziell langfristig auszahlen.
5. Bestehende Wärmepumpen richtig einordnen
Bestehende Wärmepumpen dürfen weiterhin problemlos betrieben werden, ein generelles Austauschgebot gibt es nicht. Dennoch können sich die Rahmenbedingungen über die Zeit verändern. Dazu zählen potenziell steigende Wartungskosten, eine eingeschränktere Verfügbarkeit bestimmter Kältemittel sowie eine sinkende Ersatzteilverfügbarkeit bei älteren Systemen. Auch regulatorische Entwicklungen können dazu führen, dass bestimmte Kältemittel oder Komponenten schrittweise schwerer erhältlich sind.
Unser Expertentipp: Eigentümer sollten prüfen, welches Kältemittel in ihrer Anlage verwendet wird und ob für dieses auch langfristig Service, Ersatzteile und Nachfüllmöglichkeiten verfügbar bleiben. Ein regelmäßiger Check durch den Fachbetrieb kann zudem helfen, frühzeitig einzuschätzen, ob eine Modernisierung oder ein späterer Austausch wirtschaftlich sinnvoll ist.


